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Dieses Thema hat 47 Antworten
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 Österreichische Politik
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pa_dauli Offline

Rektalbolschewist

Beiträge: 19
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21.04.2009 21:08
FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten

Die FPÖ gibt den Anstoß für ein Gesetz, der die Verwendung von Anglizismen im täglichen Sprachgebrauch unter Strafe stellen soll. Prositiv oder Negativ ? Was meint ihr ?

HC ist unser HERO !

Gray Offline

Theophor


Beiträge: 2.786
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21.04.2009 21:09
#2 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten

WAS?

Ist das deren Ernst?

Dafür muss es aber Einschränkungen geben, oder? Wolln die allen Jugendlichen, die "cool" sagen, einen Strafzettel schreiben?

Hast irgendwo einen Artikel? ;)

pa_dauli Offline

Rektalbolschewist

Beiträge: 19
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21.04.2009 21:13
#3 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten


Nie mehr Duden? Die FPÖ sieht die deutsche Sprache bedroht

*

Antrag zum Schutz und Erhalt der deutschen Sprache

Die Freiheitlichen wollen die deutsche Sprache retten - Eine Geschichte über "E-Post", "Seitenverweise" und "Bratkartoffelstäbchen"

Die FPÖ hat Sorgen. Löhne, Pensionen, Zuwanderer: Sorgenkinder allerorts. Ihre neueste Sorge gilt der deutschen Sprache. Die sieht der FPÖ-Abgeordnete Gerhard Kurzmann in Gefahr. "Wenn junge Menschen mit Anglizismen um sich werfen, um zu zeigen, wie gescheit sie sind, dann wollen wir das nicht", sagt Kurzmann.

Geldstrafe für Englisch

Seine Verlustangst gipfelt nun in einem parlamentarischen Antrag. Darin ruft er "zum Schutz und Erhalt der deutschen Sprache" auf. Laut dem Gesetzesantrag soll ein Beirat Sprachverstöße kontrollieren, falls nötig werden Verwaltungsstrafen verhängt. "Wenn man keine Sanktionen hat, kann man auch keinen Missbrauch abwenden", sagt Kurzmann zu derStandard.at. Handlungsbedarf sieht er vor allem in der Werbung. Gerade dort mache "die Überflutung mit Anglizismen die Sprache für ältere Menschen unverständlich".

Überbordendes Englisch - Kurzmann: "Uns stört es nur, wo es einen anderen Ausdruck auf Deutsch gibt" - soll also Geld kosten. "Ich finde das einfach lächerlich, was sich da abspielt. Im ORF die 'Primetime' und was weiß ich, wie die alle heißen, das ist ja nicht mehr auszuhalten", polterte FPÖ-Abgeordnete Heidemarie Unterreiner vorige Woche im Parlament.

"Luftsackerl statt Airbag"

Im Hohen Haus überwog freilich die Häme für den FPÖ-Vorstoß. Pommes Frites würde die FPÖ wohl "mit Bratkartoffelstäbchen übersetzen", spottete BZÖ-Mandatar Ewald Stadler, sonst für patriotische Ausritte immer zu haben. "Wie wollen Sie das Wort Airbag übersetzen? Vielleicht mit Luftsackerl", ätzte SPÖ-Abgeordnete Christine Muttonen.

Der Grüne Wolfgang Zinggl vermutet, dass der Antrag länger nicht auf die Tagesordnung kommen wird. Die Öffentlichkeit sei durch den Vorschlag eher belustigt. "Damit wird die Bevölkerung kriminalisiert, inklusive FPÖ", sagt Zinggl. Er verweist auf den "Rap" und die "Disko"-Besuche von Parteichef Heinz-Christian Strache. "In der Praxis ist das überhaupt nicht durchführbar, Sprache ist ja etwas Lebendiges", sagt Zinggl zu derStandard.at. Außerdem sieht er ideologische Motive: "Dieses Nationalbewusstsein ist schon mit einer gewissen Deutschtümelei verwandt."

"Sprachverderber" ORF


Das sehen die freiheitlichen Sprachpfleger anders. "Sprache ist ein Identitätsstifter", sagt Unterreiner zu derStandard.at. Die Bewahrung des Deutschen sei "nicht ideologisch belastet, sondern ein kulturpolitisches Anliegen", betont ihr Abgeordneten-Kollege Kurzmann. Der Steirer ist auch stellvertretender Obmann der Interessensgemeinschaft (IG) Muttersprache. Der Sprachverein unterstützt Kurzmanns politischen Vorstoß.

Es gebe "zwei große Sprachverderber: den ORF und die Werbewirtschaft", sagt der Vorsitzende der IG Muttersprache, Werner Pfannhauser, der als Universitätsprofessor ein ausgewiesener Experte ist, allerdings für Lebensmittelchemie. Die Mitglieder des Vereins schreiben Leserbriefe, manchmal gibt es auch Post an Betriebe, die allzu englisch werben. Er wolle bei den Anglizismus-Verwendern Bewusstsein wecken: "Die sind nicht alle böse, aber doch gedankenlose Menschen, die eine gewisse Kulturferne haben", sagt er.

Vorbild China

Bewusstsein schaffen will auch FPÖ-Nationalrat Kurzmann, der in seinem Antrag die "Pflege der deutschen Sprache in Fernsehen, Radio und Internet" fordert. Im Internet sei das schwierig, gibt er zu. Aber: "Die Chinesen gehen da ja auch völlig eigene Wege, man muss nicht alles von den USA übernehmen."

Peter Ernst, Philologe am Germanistik-Institut der Universität Wien, unterstellt den selbsternannten Sprachrettern gleich mehrere Denkfehler. "Sprache besteht nicht nur aus Wörtern. 'Primetime' ist ein Wort-Ersatz und deshalb noch lange nicht Englisch." Bedenken wären erst angebracht, wenn Österreicher im Familienkreis Englisch sprächen. Die FPÖ will es gar nicht erst so weit kommen lassen. "Eine emotionale Missachtung der eigenen Sprache" konstatiert FPÖ-Politikerin Unterreiner. "Jugendliche glauben, sich über englische Wörter profilieren zu müssen."

"Fremdwortrassismus"


Die Verbindung von Sprache mit vermeintlichen Charakterschwächen sei ein alter Hut, sagt Germanist Ernst: "Wo Sprachgebrauch geregelt wird, ist die Grenze zu einem totalitären Regime sehr nah. Diese Entwicklung halte ich für gefährlich und auch dumm."

Sprachschützer Pfannhauser sieht seinen Zugang aber rein pragmatisch. „Windloch" für "Fenster" habe sich eben nicht durchgesetzt, aber es spreche überhaupt nichts dagegen, "E-Post" statt "E-Mail" zu sagen. Auf seiner Homepage finden sich daher auch keine "Links", sondern lediglich "Seitenverweise". Außerdem stehe in der Verfassung die "Staatssprache Deutsch - und nicht etwa Denglisch oder Engleutsch."

Die Chancen der FPÖ auf eine Mehrheit für ihren Antrag - der neben Geldstrafen für englische Werbung auch eine Radioquote von 40 Prozent deutschsprachiger Musik vorsieht - sind ohnehin endenwollend. Bisher signalisierte keine Fraktion Zustimmung. Für Wissenschaftler Ernst verständlich, er findet den Umgang der FPÖ geradezu unehrlich. „Kuvert und Trottoir darf ich sagen, aber Cashflow und Primetime sind böse: Das würde ich als Fremdwortrassismus bezeichnen." (Lukas Kapeller, derStandard.at, 31.3.2009)
TreeHugger Offline

Renegat


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21.04.2009 21:16
#4 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten

Haha, also ich find das ja nur noch witzig :D

Gray Offline

Theophor


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21.04.2009 21:23
#5 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten

In Antwort auf:
"Wenn junge Menschen mit Anglizismen um sich werfen, um zu zeigen, wie gescheit sie sind, dann wollen wir das nicht"

Also ich muss schon sagen, der Mann hat seine Hausaufgaben gemacht!


Ne im ernst, das is doch vollkommen meschugge. Ich benutz selbst extrem oft Anglizismen, weil es oft englische Wörter gibt für die es zwar ein deutsches Äquivalent gäbe, die aber das Wort von einem anderen Licht betrachtet ausdrücken. Mal abgesehen davon setzt sich Englisch jetzt schon fast vollständig als wissenschaftliche Fachsprache durch, wissenschaftliche Fachbücher auf Deutsch werden Mangelware ... und als Übersetzer weiß man dann oft nicht, ob man auch für unter deutschen Wissenschaftlern gängige englische Begriffe (Beispiel Physik/Chemie: "Cluster" oder "Buckyball") deutsche Übersetzungen finden muss - weil mit englischen Fachtermini, die auch im Deutschen verwendet werden, spart man sich einiges an Aufwand.

Hitti Offline

Theophor


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21.04.2009 21:56
#6 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten

In Antwort auf:
"Wo Sprachgebrauch geregelt wird, ist die Grenze zu einem totalitären Regime sehr nah. Diese Entwicklung halte ich für gefährlich und auch dumm."

Besser hätte mans nicht ausdrücken können. Diese Aussage ist absolut nicht übertrieben.

Sassa Offline

Theophor


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21.04.2009 23:40
#7 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten

So etwas ist schon mal nicht machbar, worüber ich sehr froh bin.

Als Germanist hört man natürlich gern, dass sich jemand für die deutsche Sprache einsetzt und zu ihrem Erhalt beitragen möchte, dass die FPÖ aber nur lächerlich ist, muss hier nicht erklärt werden.

Wenn es um die Wortwahl des ORF geht, würde ich einfach eine Volksabstimmung machen lassen. Dann wird deutlich, ob die Leute lieber Newsflash hören wollen oder einfach nur Kurznachrichten.

Zu den Pommes Frites: Ist das überhaupt Englisch? Ich dachte Französisch?

Wieso kramt die FPÖ nicht einfach Hitlers Deutsch-Pläne wieder raus? Ich hätte jetzt nicht unbedingt was gegen "Wonnekleister" anstelle von Marmelade :)

Hitti Offline

Theophor


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21.04.2009 23:50
#8 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten

In Antwort auf:
"Wenn es um die Wortwahl des ORF geht, würde ich einfach eine Volksabstimmung machen lassen. Dann wird deutlich, ob die Leute lieber Newsflash hören wollen oder einfach nur Kurznachrichten."

Ich denke, dass genau das den Leuten herzlich egal ist. Deswegen hat sich die FPÖ mal wieder (siehe Wiederbetätigungsgesetz) völlig ohne Aussicht auf Durchsetzung ihrer Ansichten mit einem Standpunkt in die Öffentlichkeit gestellt, der leicht als ein langsames Abdriften in die Extremen des politisch rechten Bereiches (miss-)interpretiert werden kann.

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Nicht Sieg sollte der Sinn einer Diskussion sein, sondern Gewinn. - Joseph Joubert

Sassa Offline

Theophor


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21.04.2009 23:54
#9 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten

Ich würde die Leute nicht unterschätzen.
Gerade weil man den Menschen nichts zutraut, werden sie nur noch unmündiger. Wären wir bei solchen Entscheidungen beteiligt, würden wir als Volk mehr Selbstbewusstsein bekommen! (auch bei wichtigeren Entscheidungen selbstverständlich)

Hitti Offline

Theophor


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21.04.2009 23:56
#10 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten

Klar, so war meine Aussage nicht direkt gemeint. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, wie völlig trivial es ist, ob das jetzt Primetime heißt oder anders. Ich denke, dass viele Menschen mir hier sicher zustimmen würden.

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Sassa Offline

Theophor


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22.04.2009 00:03
#11 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten

Genau das ist doch der Punkt! Es ist NICHT trivial.
Es ist genauso wenig wurscht, wie wenn man plötzlich nur mehr "Der neue Movie..." anstelle von "Der neue Film..." hören würde oder in der Autowerbung nur mehr "Car".
Primetime wurde ja auch willkürlich eingeführt und hat NICHTS mit dem momentanen Sprachgebrauch der Menschen zu tun (oder sagst du Primetime? Ich nenne das nach wie vor Hauptsendezeit).

Hitti Offline

Theophor


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22.04.2009 00:14
#12 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten
Also ich sehe keinen Unterschied, kann aber verstehen, dass er für dich so offensichtlich ist. Für mich geht es bei der Sprache immer noch hauptsächlich um die übermittelte Botschaft, die ja in beiden Fällen dieselbe ist. Gegen die Verbreitung von Anglizismen (welche ja nicht gleich den Untergang der deutschen Sprache bedeuten) kann man grundsätzlich eher wenig machen, und mit Sanktionen anzusetzen wird sowieso nur der falsche Weg sein. Für mich klingt Primetime (vor allem aufgrund des gleichen Wortendes) außerdem besser als Hauptsendezeit. (Speziell auf dieses Beispiel bezogen.)

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Gray Offline

Theophor


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22.04.2009 13:38
#13 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten

In Antwort auf:
(oder sagst du Primetime? Ich nenne das nach wie vor Hauptsendezeit).

Also ich sag dazu "Viertelnochochte" - wodurch ich Hitti darin zustimmen muss, dass es eigentlich vollkommen Nüsse ist.
Das einzige, was man da kritisch betrachten sollte ist der Impact, den diese subtile Einschleichung von Anglizismen auf unsere generelle Einstellung hat - ich rede jez konkret von "Veramerikanisierung".
Ich seh in dem aber eigentlich kein Problem, wodurch mir die Anglizismen auch egal sind.

stahlwollvieh Offline

Emofaggot


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22.04.2009 15:45
#14 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten

ich finds ziemlich lächerlich. mir kommt zwar auch das kotzen wenn ich irgendwelche pseudo-amerikanisierten jugendliche reden höre, aber das hängt wohl hpts damit zusammen, wie sie reden, was sie reden, und wie allgemein ihre wortwahl ist, nicht nur im "englischen". abgesehen davon sind mir anglizismen ziemlich egal, nur bei "missbrauch" (wenn dann irgendwann mal der halbe text draus besteht) wirds halt irgendwann einmal lächerlich. sich darüber dann aber so aufregen ist auch nicht grade besser und das tatsächlich SANKTIONIEREN zu wollen ist für mich sogar noch mal ne schublade tiefer.

Christianity: The belief that some cosmic Jewish zombie can make you live forever if you symbolically eat his flesh and telepathically tell him that you accept him as your master, so he can remove an evil force from your soul that is present in humanity because a rib-woman was convinced by a talking snake to eat from a magical tree.
Makes perfect sense.

Sassa Offline

Theophor


Beiträge: 1.935
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22.04.2009 19:00
#15 RE: FPÖ - Vorstoß zum "Schutz der deutschen/österreichischen Sprache" antworten

Natürlich sind Anglizismen bei gemäßigter Anwendung vollkommen in Ordnung.

Aber die Botschaft, die durch sie übermittelt wird, ist eben NICHT dieselbe als bei den entsprechenden deutschen Wörtern.

Semantisch ist das Wort vielleicht korrekt (selbe Bedeutung), aber pragmatisch schwingt da häufig ganz was anderes mit (also mitbedeutend). Wenn jemand "unsere Economy" sagt, schwingt für mich mit, dass derjenige sich besonders gut vorkommt, dass er sich höher stellen möchte und dass er ein Idiot ist.

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