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Kirk

14.10.2010 21:44
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Ein interessanter Ansatz, die abgedroschenen Schlagwörter einfach mal wegzulassen.
Ich denke mir immer, obwohl ich nicht sicher bin, ob es was bringen würde, dass die Grünen einfach offener und ehrlicher auftreten sollten. Ich stelle mir das so vor: sie sollten sich die sachliche, ruhige Kritik und die feinen Wahlveranstaltungen bei Jazz and Wine sparen und statt dessen einfach bei billigen Festln offensiv und ohne große Fachausdrücke ehrlich heraussagen, was wie und warum passiert und vor allem was es eigentlich bewirkt. Sie sollten den Leuten einfach direkt sagen was die Politik der Regierungsparteien für ein Müll ist, was sie damit für Probleme schaffen, wie sie den Menschen dadurch zukünftig viele Chancen verbauen etc. Sie können dabei ruhig etwas übertreiben und verunglimpfen. Danach käme der schwierige Teil. Die Grünen müssten den Leuten dann erklären wie sie es machen würden und was das für Vorteile bringen würde, aber ebenfalls auf verständlichem Niveau und durchaus auch, wie du gesagt hast Hitti, durch die Blume.

Es wäre sicher nicht leicht, und die Grünen würden dadurch vielleicht bei einigen ihrer Stammwähler an Ansehen verlieren, aber man muss sich profilieren und präsent sein, auch und vor allem für die "kleinen Leut".
Mein Hauptgedanke hinter dieser vielleicht etwas wirren Beschreibung ist einfach der, dass es doch möglich sein muss, mit Ehrlichkeit, die die Probleme offen und ohne Umschweife beim Namen nennt und aufrichtigen Vorschlägen für mehr Fairness, soziale Sicherheit, Lebensqualität, Bildung, ... im Land, die Wähler für sich zu gewinnen.

Hitti

13.10.2010 19:29
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Zitat
Er ist nicht der Trottel, seine Wähler sind es. Er macht einen ausgezeichneten Job indem er das ganz bewusst ausnützt, mit großem Erfolg wie man sieht.


Ja. Allerdings ist Strache meiner Ansicht nach auch nicht unbedingt ein intelligenter Mensch. Dafür ging er viele Dinge zu ungeschickt an, und gelegentlich leistet er sich immer noch grobe Schnitzer, die eh allen bekannt sind. Vielleicht fehlt ihm aber einfach Erfahrung.

Zitat
Wie könnten die Grünen ihre Themen und Ansichten deiner Meinung nach besser vermarkten?


Das is natürlich nicht die einfachste Frage. Ich würd gewisse Schlagwörter ("Klimaschutz") aus der Wahlwerbung ausschließen, um der ständigen Schubladisierung und der Ignoranz vorzubeugen, die entsteht, wenn man Dinge zu oft hört ("Ajo, die Grünen mit eanam Klimaschutz, oida Huat."). Andere Formulierungen sind sicher wirkungsvoller, vielleicht wärs nicht mal schlecht, manche Dinge "durch die Blume" zu sagen. Man muss einfach damit beginnen, Ansprechendes für die Masse zu finden, und ned immer nur das zu verwenden, was den beständigen 10-15% an Grünwählern gefällt.

Kirk

13.10.2010 18:53
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Zitat
Eine Sache, bei der Strache alle anderen in den Schatten stellt. Das muss man ihm zugute halten.


Diese Ansicht vertrete ich schon ewig. Er ist nicht der Trottel, seine Wähler sind es. Er macht einen ausgezeichneten Job indem er das ganz bewusst ausnützt, mit großem Erfolg wie man sieht.

Wie könnten die Grünen ihre Themen und Ansichten deiner Meinung nach besser vermarkten?

Hitti

12.10.2010 19:28
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Zitat
Im Bereich des Klimaschutzes, im Gegenteil zu vielen anderen Themen, gebe ich den Grünen keine Schuld, dass sie mit ihren Ansichten und Vorschlägen nicht an die Leute rannkommen. Das liegt an den Bürgern selbst.


Ja, nur macht meiner Ansicht derjenige erfolgreich Politik, der die Dummheit des Menschen als wichtigen Faktor erkennt. (Eine Sache, bei der Strache alle anderen in den Schatten stellt. Das muss man ihm zugute halten.)
Das Volk ist dumm. Das is eine essentielle Voraussetzung, die jedem guten Politiker klar ist. Man sagts nicht laut, aber man muss dementsprechend Wahlwerbung betreiben, sonst geht man im Meer der Naivität unter.

Kirk

12.10.2010 18:39
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

So ist es Hittlinger!
Alle Parteien faseln inzwischen zumindest hier und da, wenns halt grad ein Thema in dem Medien ist, weil z.B. wiedermal eine Klimakonferenz statt findet, von der Notwendigkeit des Klimaschutzes, wie sich auch Österreich da schon super einbaut und was die CO²-Einsparungsziele der nächsten Jahre sind. Das hören sich die Bürger an, sie stimmen zu und haben danach ein gutes Gewissen. Danach passiert eigentlich nichts, weil es in Wahrheit kaum jemanden wirklich juckt.
Den Grünen allerdings ist es wichtig, sie meinen es ernst. Würden sie die alleinige Regierung innehaben würde sich vieles stark verändern. Davor aber haben die Leute Angst.

Im Bereich des Klimaschutzes, im Gegenteil zu vielen anderen Themen, gebe ich den Grünen keine Schuld, dass sie mit ihren Ansichten und Vorschlägen nicht an die Leute rannkommen. Das liegt an den Bürgern selbst.

Hitti

12.10.2010 17:53
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Zitat
Die Lächerlichkeit kam also nicht primär durch die Berichterstattung.


Ja, das seh ich auch so. Manch überspitzte Formulierung wäre vielleicht nicht notwendig gewesen, aber dies kommt bei den Onlinegalerien der Presse doch häufiger vor.

Ich hab heute ein Plakat der Grünen gesehen, das wohl nicht unbedingt von Vorteil war.
"Klimaschutz - ohne Wenn und Aber"

1. Scheißt der Großteil der Bevölkerung auf den Klimaschutz, da ihnen die Realität suggeriert, dass sie ohnehin nicht von den Folgen des Klimawandels betroffen sind.
2. Die meisten Menschen verbinden mit Klimaschutz ("ohne Wenn und Aber" klingt ja fast wie ne Drohung) persönlichen Nachteil, also das Gefühl, irgendetwas aufgeben zu müssen. Neue Wähler, denen der Klimaschutz am Herzen liegt, werden durch ein derartiges Plakat ohnehin nicht angeworben, da sie sich wohl gut genug informiert haben, um Grün zu wählen, oder, um Grün nicht zu wählen. Es gibt für dieses Plakat einfach keine Zielgruppe, eher werden Wähler verscheucht.
3. Klimaschutz is so richtig grün, und die ganzen "I scheiß auf de Zukunft meiner Enkel"-Prolos haben was zu lachen.

Klimaschutz is für mich DAS politische Thema unserer Zeit. Dennoch war dieses Plakat nicht gut gewählt.

Kirk

12.10.2010 17:12
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Zitat
Keine der "Großen" kann sich sowas erlauben, da es das Blatt zu sehr in eine bestimmte Richtung drängt (in dem Fall weg von den Blauen). Die blauen Leser sind verärgert, die anderen kommen sich gut vor und die Zeitung hat ihren Ruf weg.


Ist doch super. Da es so gut wie keine blauen Presse-Leser gibt, fühlen sich nach so einer kleinen Satire über die FPÖ alle besser.^^

Ich check natürlich was du meinst. Die Presse setzt mit solchen Späßen ihren Ruf, das seriöseste und unparteilichste Blatt des Landes zu sein, unnötiger Weise aufs Spiel.

Andererseits, so ein kleiner Scherz über das FPÖ-Klientel, der auch klar als sochler erkennbar ist, sollte meiner Meinung nach auch in der Presse erlaubt sein. Außerdem hat das Blatt selbst in diesem Beitrag nur Fakten aufgezählt und Bilder gezeigt. Die Lächerlichkeit kam also nicht primär durch die Berichterstattung. ;D

Sassa

11.10.2010 18:17
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Zitat
was soll daran schlimm sein?



Daran ist schlimm, dass es sich um die Presse handelt, nicht um das Satiremagazin MAD.
Keine der "Großen" kann sich sowas erlauben, da es das Blatt zu sehr in eine bestimmte Richtung drängt (in dem Fall weg von den Blauen). Die blauen Leser sind verärgert, die anderen kommen sich gut vor und die Zeitung hat ihren Ruf weg.

Abgesehen davon hat die "Neue Freie Presse" schon früher verkackt, warum also nicht heute wieder als "Presse"?

Wenn ich nach einem polemischen Zitat von Karl Kraus zur Presse suche, kommen über 2000 Resultate allein in seinem Werk.^^

Zitat
"Hochmuth, Feilheit, Stilschnitzer — alles wächst dort ins Lapidare. Ehrfurcht erfasst den Anfänger, den ein bedeutungsvoller Wink zum erstenmal in das Allerheiligste der öffentlichen Meinung führt. Für mich hatte sich der Schauer des Geheimnisvollen bald verflüchtigt, und geblieben war die von Druckerschwärze getränkte, ölige Athmosphäre, in der, hier nicht anders als anderswo, etliche nur besser organisierte und vor dem Augenrollen des Brottyrannen zitternde Stilbeamte zu vegetieren verdammt waren .... Man ließ mir Zeit, um ein paar Illusionen ärmer und um ein paar sociale Anschauungen reicher zu werden, und als ich dem Zwang eines »unabhängigen« Wochenblattes entfloh, wünschte ich mir alles eher denn — »in die ‚Neue Freie Presse‘ zu kommen«. Als Chroniqueur der »Wage« hatte ich allwöchentlich länger darüber nachdenken müssen, was ich schreiben dürfe, als alles das zu schreiben Zeit erfordert hätte, was ich nichtschreiben durfte.

Die Fackel, Heft 5, 1899.

Kirk

11.10.2010 17:32
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Zitat
Das Blöde ist nur, dass man die eigene Objektivität verliert, wenn man eigentlich derselben Meinung wie die Zeitung ist.

Ich bin in diesem Fall absolut der selben Meinung wie die Presse, die die FPÖ in diesem Beitrag herrlich verarscht. Natürlich ist es nicht objektiv, neutral und seriös, aber wen juckts, ich hatte meinen Spaß daran. Das heißt nicht, dass ich Gefahr laufe keine eigenen Ansichten mehr zu haben. Die Zeitung hat sich einen Scherz erlaubt und ich unterstütze das, was soll daran schlimm sein? Ich denke nicht, dass dadurch die Presse ihre Objektivität verliert oder ich meine eigene Meinung.

Zitat
Er sieht sich jetzt auf "Augenhöhe" mit den Großparteien. Ob er Recht hat?


Dass er das sagen muss ist klar. Er muss seinen Wählern und möglichen Zuwächsen das Gefühl geben, dass diese Partei Macht hat, Macht, die noch immer wächst und wächst. Wie viel Wahres daran ist lässt sich schwer sagen, aber rein gefühlsmäßig befürchte ich, dass da tatsächlich noch was geht.

Maringa

11.10.2010 16:17
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Ich befürchte ja

Hitti

11.10.2010 16:02
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Strache: „Bei der nächsten Nationalratswahl streiten wir uns mit der SPÖ und der ÖVP um Platz eins und zwei!“
Er sieht sich jetzt auf "Augenhöhe" mit den Großparteien. Ob er Recht hat?

Sassa

11.10.2010 15:47
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Das Blöde ist nur, dass man die eigene Objektivität verliert, wenn man eigentlich derselben Meinung wie die Zeitung ist.

Aber davor sollte man sich tunlichst bewahren..

Somit: Böse böse Presse!

Hitti

11.10.2010 15:36
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Wenns die Presse schon nimma schafft, is eigentlich eh alles verloren.^^

Sassa

11.10.2010 15:29
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Irgendwie hab ich so das Gefühl, dass sich beim Thema FPÖ nur wenige Zeitung unter Kontrolle haben.

Hitti

11.10.2010 14:57
RE: Gemeinderatswahlen in Wien 2010 Diesen Beitrag zitieren

Die Feiern der FPÖ nach der Wahl.
Überschrift "Saufen und Rauchen für HC". Is zwar ned unbedingt neutraler Journalismus, aber die Bilder und die dazugehörigen Kommentare sind einfach lustig.

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